Chancen und Risiken der Künstlichen Intelligenz aus einer feministischen Perspektive

Künstliche Intelligenz (KI) verändert alles: Wie wir arbeiten, lernen, kommunizieren, entscheiden, versorgen, pflegen und Politik gestalten. Diese Veränderungen betreffen Frauen als Nutzerinnen, als Arbeitnehmerinnen, Patientinnen, Medienrezipientinnen, Eltern und pflegende Angehörige – und sie betreffen sie anders als Männer. KI kann Ungerechtigkeiten verstärken, wenn sie auf verzerrten Daten und tradierten Normen aufbaut – etwa in der Gesundheitsdiagnostik, bei der Verteilung von sozialen Leistungen, der Sichtbarkeit in den Medien oder automatisierten Entscheidungen in Arbeitsmarkt und Finanzen. Gleichzeitig kann sie Teilhabe, soziale Absicherung, kreative Selbstermächtigung, Care-Entlastung und politische Mitgestaltung fördern, wenn sie bewusst, gerecht und erklärbar gestaltet wird.

Die Rahmen und Standards, die wir heute setzen, bestimmen ebenso wie die Infrastrukturen, die wir heute bauen, das, was KI morgen sein kann und wird: ein Katalysator für soziale Ungerechtigkeit und Unterdrückung oder ein Hebel für mehr Gerechtigkeit. Die Frage ist nicht, ob KI kommt – sie ist längst da –, sondern, wer sie wie prägt. Eine Auseinandersetzung mit KI ist deshalb unbedingt notwendig.

Um KI zu gestalten, helfen fünf Ebenen:

  • Kontext (Werte, Standards, Regulierung)
  • Menschen (Macht in Entscheidungen, Entwicklung und Anwendung)
  • Daten (Repräsentativität, Qualität, Transparenz)
  • Design (Governance, Prioritäten, Prozesse)
  • Zweck (Ziele der KI – Reproduktion oder Veränderung)

Um (mit-)gestalten zu können, benötigen wir Verständnis und Kompetenz. KI-Kompetenz bedeutet: Muster erkennen, Daten hinterfragen, Risiken benennen, Machtverhältnisse bemerken, eigene Ansprüche formulieren und sich einmischen. Diese Kompetenz muss auf allen Ebenen aufgebaut werden – bei Nutzerinnen, in Bildungssystemen, in Behörden, in Unternehmen, in Politik und im Ehrenamt.

260427 Zusammenhang zwischen Macht und KI

Abbildung 1: Zusammenhang zwischen Macht und KI

Aufbauend auf Eva Genglers Forschung, (zusammen mit Co-Autorinnen), erste Ergebnisse publiziert in "Power Imbalances in Society and AI: On the Need to Expand the Feminist Approach", anschließend fortlaufend auf Basis von Forschungserkenntnissen weiterentwickelt (weitere Veröffentlichungen befinden sich im Begutachtungsprozess).

 

Der Bayerische Landesfrauenrat (BayLFR) befasst sich intensiv mit KI. Bereits für das Jahr 2024 erstellten die BayLFR-Fachausschüsse (Medienpolitik, Bildungspolitik, Sozial- und Beschäftigungspolitik, Familienpolitik/Familienrecht sowie Gesundheitspolitik) Forderungspapiere aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Das vorliegende Dokument ergänzt die Konzepte sowie einzelne Fragen der Fachausschüsse und schließt mit weiterführenden Gedanken und Materialien ab. Ziel ist es, Wege aufzuzeigen, wie Frauen- und Gleichstellungspolitik in Zeiten von KI handlungsfähig bleibt und gestärkt werden kann.

Dazu gehört auch die Auseinandersetzung mit Bildern – die heute leicht mit KI generiert werden können … und aufmerksam betrachtet werden sollten: Wen setzt eine Bild-erzeugende KI bei welchem Thema an einen Tisch?

260427 KI-Fachausschuss Chat GPT

Abbildung 2: KI-Fachausschuss (ChatGPT-5)

Bild generiert im Oktober 2025 mit ChatGPT-5 mit dem Prompt „Erstelle ein Bild eines Fachausschusses zu Künstlicher Intelligenz.“

260427 KI-Fachausschuss Leonardo AI

Abbildung 3: KI-Fachausschuss (Leonardo.Ai)

260427 KI-Fachausschuss Leonardo AI 2

Abbildung 4: KI-Fachausschuss (Leonardo.Ai)

Bilder generiert im Oktober 2025 mit Leonardo.Ai mit dem Prompt „Hyperrealistic photo of a technical committee on artificial intelligence“.

Fazit:

Nicht-Handeln führt zur Benachteiligung von Frauen und anderen marginalisierten Gruppen durch KI. Um KI als Werkzeug für Gerechtigkeit zu nutzen, müssen wir als Gesamtgesellschaft aktiv werden: mit politischen Maßnahmen, die digitale Teilhabe fördern, durch Stärkung der KI-Kompetenz und gendersensible Daten als Grundlage sowie durch feministische Werte in der KI-Entwicklung und im KI-Einsatz.

Für eine gleichberechtigte Gesellschaft brauchen wir KI-Systeme, die Unterrepräsentation sichtbar machen, Diagnostik, Versorgung, Care-Arbeit und Familienleistungen fair verteilen, Gewalt und Diskriminierung aufdecken und adressieren und Frauen als eigenständige Gruppe betrachten. Derlei Systeme entstehen nur durch das Setzen dieser Ziele.

KI wird unsere Gesellschaft weiter verändern – ob sie dabei konservative und überholte Muster verstärkt oder diese gezielt adressiert und verändert, liegt in der Hand von Menschen – vor allem von denen mit Macht. Deshalb verlangt eine Veränderung dieses Systems das Zusammenspiel von Politik, Zivilgesellschaft, Wissenschaft, Unternehmen; Frauenverbände werden dabei als Übersetzerinnen zwischen Lebensrealität und Entscheidungsebene benötigt.

 

Zu den Autorinnen:

Eva Gengler ist Wirtschaftsinformatikerin und forscht intersektional-feministisch an der Schnittstelle von Macht und Künstlicher Intelligenz. An der FAU Erlangen-Nürnberg promovierte sie im Programm Business and Human Rights zu feministischer KI unter dem Titel „From Oppression to Empowerment: Regulating, Governing, and Reimaging Artificial Intelligence“. Als Speakerin und Co-Founderin der feminist AI Community sowie von enableYou engagiert sie sich für eine gerechte und verantwortliche Technologiegestaltung. Für ihre Arbeit wurde sie mehrfach portraitiert – u.a. vom Bayerischen Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales, dem Elitenetzwerk Bayern und Marc Cain – und 2025 für den Brigitte Award in der Kategorie Future Economy nominiert. Ihre Perspektiven wurden u.a. in Interviews mit ZDF, 3sat, t3n und Deutschlandfunk vorgestellt. Eva lebt in der Nähe von Nürnberg.

Gemeinsam mit der Journalistin Barbara Streidl wurde dieses Papier verfasst. Streidl unterstützt den BayLFR neben ihrer publizistischen Arbeit als Autorin und Moderatorin seit Jahren als Fachfrau für frauenpolitische Themen und feministische Debatten bei Publikumsveranstaltungen, Onlinemeetings und durch Podcast-Reihen zu Themen wie „Politische Role Models“. Barbara Streidl lebt in München.

Eva Gengler (li) und Barbara Streidl (re)

Eva Gengler (li.) und Barbara Streidl (re.)

Matthias Jacoby und Denise Stock

Auf Basis des Prompts „Erstelle ein Bild der zwei Autorinnen auf Basis oben genannter Informationen.“ und der Bereitstellung obiger Beschreibung der Autorinnen, hat ChatGPT-5 (im Oktober 2025) ein Bild erstellt. Auf Rückfrage teilte ChatGPT zudem Folgendes mit: „Links: Eva Gengler – jüngere Frau mit Brille, Blazer, neben dem Laptop mit Netzwerk-Grafik. Rechts: Barbara Streidl – etwas älter, graustrahliges Haar, dunkelblaues Hemd, vor Notizbuch und Mikrofon.“

Eva Gengler und Barbara Streidl KI

Abbildung 5: KI-generierte Version der Autorinnen (li.)

Abbildung 6: Eva Gengler und Barbara Streidl (von links nach rechts), wie die Autorinnen tatsächlich aussehen (re.)

Die Autorinnen haben sich für die Verwendung eines generischen Femininums entschieden, um ihr Engagement für Gendergerechtigkeit zu verdeutlichen. Bei der Erstellung dieses Dokuments wurde auch KI (vor allem ChatGPT-5) eingesetzt, um Strukturierungen vorzunehmen, Texte zu vereinheitlichen und zu kürzen.