KI, Medien und Geschlechtergerechtigkeit
Die sozialen Medien sind voll von KI-generierten Texten, Fotos, Videos und Audiobotschaften, und sie verbreiten sich in rasender Geschwindigkeit. Aber was ist fake und was ist korrekt? Was ist richtig, was ist falsch?
Der Fachausschuss Medienpolitik des Bayerischen Landesfrauenrates (BayLFR) hat sich ausführlich mit dem Thema Künstliche Intelligenz und den Auswirkungen von KI in den Medien beschäftigt. Und der BayLFR macht klar, dass KI in allen Bereichen, so auch in den Medien, positive und negative Auswirkungen haben kann.
Wichtig ist deshalb vor allem, dass alle Mediennutzenden klar erkennen können, ob und wie KI zum Beispiel beim Erstellen eines Textes mitgewirkt hat. Auch die Funktionsweisen von Algorithmen und die Herkunft der Datenquellen sollen klar ersichtlich sein. Denn nur durch Transparenz und Kennzeichnung entstehen Vertrauen und Akzeptanz in KI-generierte Inhalte.
KI beinhaltet auch eine große Chance in puncto Geschlechtergerechtigkeit. So können KI-Tools in Texten das generische Maskulinum erkennen, ersetzen und alternative Formulierungen vorschlagen. Außerdem können KI-Tools sprachliche und bildliche Stereotype oder diskriminierende Inhalte kennzeichnen und so auf unbewusste Voreingenommenheit hinweisen.
Mehr noch, beim Thema Gewalt in den Medien können KI-gesteuerte Systeme wertvolle Beiträge leisten. Cybermobbing und andere Formen von digitaler Gewalt, wie z. B. DeepNudes, können bei entsprechender Programmierung frühzeitig erkannt werden. Aber nicht nur das! Mittels KI kann frühzeitig gewarnt und Hilfsangebote können unterbreitet werden. KI kann insbesondere Jugendliche schützen, indem sie gefährliche und unangemessene Inhalte filtert und durch altersgerechte Alternativen ersetzt.
Medienkompetenz ist einmal mehr das Zauberwort. Deshalb fordert der BayLFR Medienkompetenz als Fach und festen Bestandteil von Bildungseinrichtungen zu etablieren. Denn nur wer kompetent und kritisch verschiedene Medienkanäle nutzen kann, wird auch mit KI im positiven Sinne arbeiten können.
Der BayLFR fordert ferner den Ausbau einer interdisziplinären Forschung, die Informatik, Soziologie, Ethik und Medienwissenschaften vereint. Denn alle, die KI entwickeln, einsetzen und nutzen, sollten nicht nur technische Fähigkeiten beherrschen. Sie tragen auch ethische und gesellschaftliche Verantwortung und müssen dieser gerecht werden. Für Geschlechtergerechtigkeit in den Medien birgt KI viele Chancen. Die Verantwortung für die Rahmenbedingungen trägt die Politik.
(Text: Renate Eder-Chaaban)
Angefügt finden Sie den Aufruf „Chancen und Nutzen von Künstlicher Intelligenz (KI) für Geschlechtergerechtigkeit in den Medien“.
Wir danken den Mitgliedern des Fachausschusses Medienpolitik Natascha Almer, Juliane Brumberg, Katharina Geiger, Sadija Klepo, Claudia Krüger-Werner, Inken Pollmann, Birgit Röschert, Michaela Schaller, Ulla Thiem und Cordula Trapp für ihre fachlichen Expertisen.
Wir sind ein Zusammenschluss von 58 Landes-Frauenverbänden und Frauengruppen gemischter Landesverbände, sind überparteilich, überkonfessionell und unabhängig und vertreten insgesamt knapp vier Millionen Frauen in Bayern. Seit unserer Gründung 1973 tragen wir zur Verwirklichung von Gleichberechtigung und Chancengleichheit von Frauen in Staat, Wirtschaft und Gesellschaft bei.